Reise nach Nepal

Deutschland nach Nepal „Indien“

Viele Grenzbeamte erfüllten Ihren Dienst nach Vorschrift. Für mich hieß dies, ich wurde nach Rauschgiften, Waffen oder anderer verbotener Dinge gefragt und auch eine genauere Kontrolle des Fahrzeugs durch die Zöllner wurde vorgenommen. Nach gefühlten „Stunden“ lächelten mich die indischen Grenzbeamten an und wir gingen zum Stempeln der Papiere. Das Visum war gültig und ich erhielt den Einreisestempel im Pass.

Beim Carnet de Passage sah das schon ganz anders aus – „not valued for India“ – Schreck, was jetzt? Es ist mir entgangen, dass auf diesem riesigen Dokument (Carnet de Passage), wo auch die unzählig vielen Länder aufgezählt sind, Indien durchgestrichen war. Das Auto durfte jetzt nicht ins Land. Es wurde mir angeboten, das Fahrzeug im indischen Zollhof abzustellen und nach Delhi zu reisen, wo ich mich um die Genehmigung zur vorübergehen zollfreien Einfuhr des Wagens kümmern konnte. In einem eingezäunten Bereich stand eine bunte Mischung von Fahrzeugen. Manche davon erweckten den Eindruck, hier schon Jahre zu stehen. Ich parkierte mein Fahrzeug, nahm mir eine kleine Tasche mit allen Dokumenten und dem Reisegeld, schloss es ab, und begab mich mit einem Bus zum nächsten Bahnhof, in Amritsar. Von hier ging es mit dem Zug nach Delhi, sind es ca. 460 KM.
Unbekanntes „Indien“ was ich nun mit allen Sinnen wahrnehme. Sehr viele Menschen wimmeln um mich herum. Verschiedene Kulturen, unbekannte Worte, endlos viele Düfte, Wohlgerüche und sehr farbenfrohe Kleidung, vor allem bei den Frauen, gehören zu den ersten Eindrücken für mich auf dem Weg, mein Problem zu lösen. Es ist fast Ende der Regenzeit, feuchtheiß und mit dem Zug erreiche ich noch am gleichen Tag New Delhi. Mein Ziel ist der Indische Automobilclub, bei dem ich die fehlende Legitimation im Carnet de Passage eintragen lassen will. Es ist Nachmittag und ich suche zuerst eine Bleibe. Von einem der Bahnhöfe an dem ich ankomme, in Delhi gibt es mehrere, ich glaube vier Stück, fahre ich mit einem Bus ins Zentrum. Mitten im von New Delhi, fast innerhalb vom „Connaught Circus“, einem zentralen Platz Zentrum finde ich das „Tourist Camp“, ein Abgeschlossenes Gelände mit Verschieden großen Zelten und Plätzen für Fahrzeuge. Hier checke ich ein. Eine sehr gemischte touristische Gesellschaft ist auch zu der Zeit an diesem Camp. Es gibt hier sehr gute Möglichkeiten mit anderen Reisenden in Kontakt zu kommen. Allerdings bin ich den Rucksack- und anderen Touristen gegenüber recht verschlossen. Einige der Gäste machen mir den Eindruck, den illegalen Genussmitteln, wie Cannabis, sehr zugetan zu sein, andere wirken auf mich, wie gestrandet oder Ziellos. Es gibt aber auch Reisende, mit denen man, meist in Englisch, reden kann.

Am Folgetag suche ich den indischen Automobilclub auf. Natürlich lebe ich nicht von Luft, daher habe ich hier, in Delhi, gleich mal probiert, was mir schmecken könnte. Alle Experimente in Richtung Ernährung waren hier, in Indien, problemlos. Schon die Reiseliteratur der 70er Jahre warnte vor ungekochtem Wasser, Eis u. s. w. Jedenfalls war ich, was Essen und Trinken angeht zwar vorsichtig, aber auch experimentierfreudig. Da ich zweifelhafte Speisen und Getränke ausgeschlossen habe, konnte ich mich sehr vielseitig, preisgünstig und nahrhaft gut versorgen. Die Kraft für Hürden und Hindernisse mit dem Willen, das Auto ins Land zu bekommen erforderten auch, körperlich und geistig fitt zu sein.
Zu Fuß ging ich zum Büro des Indischen Automobil Clubs. Einige Stunden später war ich schlauer, aber nicht zufrieden. Der Mitarbeiter vom indischen Automobilclub machte mir klar, dass er die Erweiterung des KFZ Einreispapiers, dem Carnet de Passage, nicht für Indien gültig machen kann. Dies könnte die Grenzbehörde machen.

Mit dieser Information ging ich am nächsten Tag zum Flughafen um schnellstmöglich wieder zur Grenzstation zu kommen. Mein erster Flug in Indien von Delhi nach Amritsar war sehr angenehm. Vom Zielflughafen Amritsar ging es dann wieder mit dem „public carrier“, einem öffentlichen Bus zur Grenze. Bei den wenigen Erfahrungen mit der indischen Bürokratie habe ich bereits bemerkt, wie korrekt und ordnungsgemäß überall Eintragungen und Formulare ausgestellt und abgeheftet werden. Wieder an der Grenzstation angekommen, wurde ich sehr freundlich, aber auch etwas hilflos von Seiten der Beamten mit meinem Anliegen aufgenommen. Nach einiger Zeit telefonierte einer der Grenzbeamten mit dem indischen Automobilclub und fand auch eine Lösung mit diesem Telefonat für mich. Jetzt sollte ich wieder in Delhi vorstellig werden und eine Kaution von ca. 1500 DM an den deutschen Automobilclub bezahlen. Der deutsche ADAC sollte dann die Bestätigung über den Erhalt der Kaution and den indischen Automobilclub per Telegraph senden. Aha… Jetzt war es an der Zeit, damit dies zügig abläuft in der richtigen Reihenfolge die Sache anzugehen. Wieder setzte ich mich in den Zug, um nach Delhi zum Automobilclub zu fahren. In Delhi ließ ich mich im selben Camp wie kurz vorher nieder. Als ich wieder im Büro der indischen Automobilclubs war, wusste der Mitarbeiter und ich, was wir erreichen wollten. Ich habe die Kontaktdaten zu Übermittlung der Zahlungsbestätigung erhalten und durfte sogar vom Büro in Delhi meine Kontaktperson in Deutschland anrufen. Ich hatte Glück. Die Zeitverschiebung, 4½ Stunden vor deutscher Zeit, hat es ermöglicht, in Deutschland bei meiner Familie die Situation darzustellen. Die Kautionssumme wurde auf meinen Namen und mein Fahrzeug bezahlt bzw. erhöht und der ADAC hat dann auch umgehend die Bestätigung nach Delhi zum hiesigen Automobilclub geschickt. Dies erfuhr ich allerdings (erst) am nächsten Tag, weil die Zeitverschiebung bei den Büroöffnungszeiten es nicht anders zuließ. Sehr erleichtert war ich, als in dem riesigen Dokument, dem Carnet de Passage, nun der indische Automobilclub die Inhalte um die Eintragung „valued for India“ ergänzte. In einem Land wie Indien, in dem die Zeit eine ganz andere Bedeutung hat als wir im Westen es gewohnt sind, war dies eine tolle Leistung.

Glücklich und auch etwas stolz konnte ich wieder zurück zur Grenze fahren. Ich habe mich entschlossen, wieder mit dem Zug zu fahren. Schon 1977 war Indien sehr dicht besiedelt, aber bei den Grenzbeamten war ich bereits bekannt. Wieder wurde ich freundlich bedient. Die Stempel und Einträge für das Fahrzeug wurden nun auch zügig im Dokument bearbeitet. Jetzt durfte ich wieder auf den abgesperrten Zollbereich und fand es ganz klasse, das Auto aufzuschließen. Wie schon vorher gesehen, sahen die meisten geparkten Fahrzeuge sehr verstaubt aus und machten auf mich den Eindruck, dass sie nie mehr abgeholt werden. Meine wichtigen Dokumente, das Reisegeld und alles was ich bei dieser Odyssee bei mir hatte fand wieder seinen festen Platz im Fahrzeug.

Damals dachte ich noch nicht daran, dass ich Kaschmir-Schals von Nepal mitbringen werde. Schals die ich dann in Deutschland verkaufen kann.

Mit diesem Grenzübertritt geht es eigentlich erst richtig los. Der Reisebericht wird demnächst fortgesetzt.

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